Europa liegt nicht materiell in Trümmern. Doch Europas gesamtes spirituelles Erbe wird jeden Tag mehr zerstört. Dieses Erbe ist, wie Giovannino Guareschi, der Schöpfer von „Don Camillo“ sagte, „der einzig wahre Reichtum, den die Menschheit in Jahrtausenden angehäuft hat.“
Weil das Christentum stirbt und mit ihm die Kraft, die Europa Leben gegeben hat, stirbt Europa. Denn alles, was Europa ausmacht, kommt aus dem Christentum. Kann es eine Zukunft mit einem säkular-aufgeklärten Weltbild geben? Seit der Nachkriegszeit scheint dies das große Projekt des Westens zu sein: Liberalismus und Wohlstand ohne Gott und Glauben. Schon in den 50er-Jahren scheint der Nihilismus spürbar gewesen zu sein, denn das Buch von Erzbischof Sheen hieß: „Life is Worth Living“. Was selbstverständlich ist, braucht nicht betont zu werden. Im 21. Jahrhundert ist daraus eine Frage geworden: „Is Life worth Living?“ – Ist das Leben lebenswert? Im Fernsehen, auf YouTube und im Kino wird diese Frage täglich gestellt. In „Joker“ (2019) von Todd Philips, in „The Walking Dead“ oder in den Dokumentarfilmen von Werner Herzog. Das moderne Europa kann Tragödie und kennt kein Happy End.
Der kritische Atheismus der Gegenwart hat einen Vorteil: Er glaubt nicht mehr an die Verheißungen der Frühaufklärung, an das Paradies auf Erden durch harte Arbeit und Vernunftgebrauch. Er ist erwachsen geworden und sieht wie das mittelalterliche Christentum die Wirklichkeit der Welt, das heißt, er sieht unlösbare Dramen, unfassbares Leid, das lacrimarum valle, das Jammertal des Salve Regina. Aber Christus kennt er nicht mehr. Er verzweifelt an einer Welt, die oft genug das Gute verhöhnt und das Böse belohnt.
In früheren Zeiten war es möglich, durch den Glauben an Christus über sich hinauszuwachsen und Großes zu leisten. Das beweisen nicht nur der Kölner Dom, Notre Dame in Paris und Chartres oder der Petersdom. Das beweist auch die Tatsache, dass es in den letzten Jahrhunderten keine große Krise gab, die ohne das Christentum gemeistert wurde.
Die großen Heiligen des Abendlandes sind heute weitgehend in Vergessenheit geraten, obwohl ihr Wirken bis heute unübertroffen ist. Der heilige Cinzenz Ferrer soll 28 Tote erweckt haben, Josef von Copertino konnte bis zur Kirchendecke fliegen, Franz von Assisi sprach mit dem Sultan von Ägypten, der heilige Antonius trank Gift ohne zu sterben und Franz Xaver wirkte in Japan und Indien zahllose Wunder.
Die europäische Geschichte des Christentums ist atemberaubend schön. Die Klöster, die kinderreichen Familien, der gregorianische Gesang, die Schönheit der Architektur … Es ist die größte Liebesgeschichte, die je erzählt wurde. Es ist jede Anstrengung wert, dieses Erbe zu bewahren und Europa wiederaufzubauen.
Danke, ein wunderschöner Text der das Herz berührt und die Sehnsucht treibt.